Inklusion

Mittendrin: Kinder mit Behinderung in unserer Mittagsbetreuung

Seit September 2012 arbeitet unsere Mittagsbetreuung inklusiv: 6 Kinder mit Förderbedarf im Bereich geistige Entwicklung werden in einer Gruppe mit 8 Regelschulkindern von der Gruppenleitung, einer Teilzeitkraft, einem Kinderpfleger und einer Heilpädagogin betreut. Die Förderkinder besuchen vormittags die Inklusionsklasse der Grundschule und können bei uns anschließend auch am Nachmittag gemeinsam mit den anderen Kindern essen, Hausaufgaben erledigen und neben dem Unterricht auch im Spiel erfahren, dass Anderssein dazu gehört und Miteinander trotzdem funktioniert.

Lange Verhandlungen 

Die Mittagsbetreuung hatte sich 2011 aufgrund der Anfrage der Eltern der Kinder mit Förderbedarf entschieden, den Weg in die Inklusion zu wagen. Gemeinsam mit dem Bezirk Oberbayern, dem Sozial- und Kultusministerium sowie dem Heilpädagogischen Centrum Augustinum (HPCA) gab es rund ein Jahr lang viele Gesprächsrunden, E-Mails und Telefonate, in denen das Konzept und insbesondere die Finanzierung erarbeitet, verhandelt und schließlich vereinbart wurden. Der zusätzliche Personalbedarf der Gruppe wird hauptsächlich vom Bezirk Oberbayern sowie ergänzend vom Stadtjugendamt München übernommen.

Modellprojekt in Bayern 

Inzwischen ist die inklusive Gruppe ein Modellprojekt in Bayern, das im Auftrag des Sozialministeriums von der Katholischen Stiftungsfachhochschule München wissenschaftlich begleitet wird. Ziel ist es zu prüfen, inwieweit sich unser Konzept auch auf die Betreuungseinrichtungen anderer Schulen in Bayern übertragen lässt.

Unsere Erfahrungen 

Die Startphase war turbulent und hat den Vorstand unserer Elterninitiative sowie das Betreuerteam der inklusiven Gruppe stark gefordert. Am Anfang mussten für die Abläufe in der Inklusionsgruppe neue Strukturen erarbeitet werden. Die Kinder mit Förderbedarf machen inzwischen deutliche Fortschritte in der Kommunikation und im Sozialverhalten – sie lernen viel von ihren „normal“ entwickelten Kameraden. Die Regelkinder lernen, besser mit den Eigenarten der Förderkinder zurecht zu kommen, sich bei Bedarf auch mal abzugrenzen oder gemeinsame Spielformen zu entwickeln.

Die Idee zur inklusiven Mittagsbetreuung lag nahe, der Weg war weit. Dennoch hat sich gezeigt: Wenn alle Beteiligten Einrichtungs-übergreifend und motiviert zusammen arbeiten, lassen sich Ziele umsetzen – wir hoffen auf Nachahmer!

Ausblick

Die Kinder mit Förderbedarf werden im Schuljahr 2018/19 ihr letztes Jahr an der Grundschule verbringen. Aller Voraussicht nach wird es anschließend wieder eine Inklusionsklasse geben. Möglicherweise werden auch wir weiterhin inklusiv arbeiten und diese „neuen“ Kinder mit Förderbedarf in unsere Mittagsbetreuung aufnehmen. Voraussetzung dafür ist eine  gesicherte Finanzierung. Zudem muss es langfristig Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen geben. Dazu gehört an unserer Schule in aller erster Linie das Ende der Raumnot. Wir nutzen für alle Gruppen – auch für die inklusive – nach wie vor ganz normale Klassenräume und müssen permanent improvisieren.

Es fehlt allen Kindern an Möglichkeiten für den Rückzug sowie an Räumen für therapeutisches Arbeiten mit den Förderkindern: Inklusion braucht Platz!

Stimmen zum Thema Inklusion:

 „In der Startphase habe ich nur gedacht: Was hab ich mir da angetan? Wie soll man das bewerkstelligen, in einer offenen Gruppe, in der sich alle frei bewegen können? Aber diese Ängste sind jetzt verschwunden. Die Bereitschaft aller ist unglaublich groß, und wir finden meistens immer eine Lösung.“ (eine Betreuerin)

„In letzter Zeit fand ich es wirklich schön zu sehen, wie die Regelkinder von sich aus den Inklusionskindern bei den Hausaufgaben helfen.“ (eine Betreuerin)

„Unsere Tochter hat am Anfang sehr neugierig auf die Kinder mit Förderbedarf reagiert und sich voll darauf eingelassen. Dann kam eine Phase, in der sie erschöpft und gereizt nach Hause kam, weil sie Situationen erlebt hat, die sehr anstrengend waren. Hilfreich waren die festen Strukturen in der Gruppe und die kleinen Kontaktinseln, die die Heilpädagogin für die Kinder schafft. Inzwischen klappen die Abläufe und das Miteinander gut  –  alle spielen zusammen, sagen aber auch mal deutlich ,Nein“.“ (Vater eines Regelschulkindes)

„Viele Eltern möchten ihr Kind in der Inklusionsgruppe haben, weil sie sehen, wie gut das läuft und wie alle Kinder davon profitieren können.“ (eine Betreuerin)

„Es gab zunächst Bedenken, dass die Kinder mit Förderbedarf durch die vielen und manchmal engen Räume und das Miteinander mit Regelkindern auch am Nachmittag überfordert werden. Das hat sich aber bei unserer Tochter so nicht gezeigt. Sie hat sich von Anfang an wohl gefühlt. Nach 2 Jahren Mittagsbetreuung sehen wir deutliche Fortschritte bei ihr: Sie geht von sich aus auf andere Kinder zu, fordert sie zum Spiel auf und lernt immer mehr, sich auch auf Kompromisse einzulassen.“ (Mutter eines Mädchens mit Förderbedarf)